Rumble in the jungle oder besser Desert Storm

Halbzeit bei der Schachweltmeisterschaft in Dubai, der Titelverteidiger führt mit 4:3. Alles sieht nach einer Titelverteidigung aus, auch weil Nepomnjaschtschi (kurz Nepo) bisher noch keinen Matchplan hat erkennen lassen.

Bei den Scheichs im Emirat beharken sich der Herausforderer Jan Nepomnjaschtschi und Titelverteidiger Magnus Carlson. Die ersten fünf Partien endeten Remis. Einige Journalisten schrieben schon das Ende des klassischen Schachs herbei. Dabei wurde teilweise hochklassiges Schach gezeigt. Carlsen klopfte die Vorbereitung von Nepo ab – in jeder Weißpartie wechselte er die Eröffnung. Auch in den Schwarzpartien war er es, der die Richtung der Partien vorgab.

Das ganze Geheule um die vielen Remis zum Anfang war für mich der Grund mal die vergangenen WM-Kämpfe anzusehen. Die Lister der Wettlämpfe die mit vielen Remis begannen ist lang.

Lasker – Schlechter 1910 vier Remis zum Anfang

Lasker – Capablanca 1921 vier Remis zum Anfang

Botwinnik – Bronstein 1951 vier Remis zum Anfang

Petrosjan – Spasski 1966 sechs Remis zum Anfang

Karpov – Kortschnoi 1976 sieben Remis zum Anfang

Kasparov – Anand 1995 acht Remis zum Anfang

Anand – Gelfand 2012 sechs Remis zum Anfang

Anand – Carlsen 2013 vier Remis zum Anfang

Carlson – Karjakin 2016 sieben Remis zum Anfang

Carlson – Caruana 2018 zwölf Remis – der ganze Wettkampf

Carlson – Nepomnjaschtschi 2021 fünf Remis zum Anfang

Meiner Meinung nach rührte der Unmut der Presse daher, dass es Nepo kaum schaffte, MC in Schwierigkeiten zu bringen. Mit Weiß versuchte er es ausschließlich mit Spanisch. Jedesmal konnte Carlsen recht einfach remis erreichen. Da stellt sich die Frage, was hat Team Nepo in der Hinterhand? Haben sie eine Überraschung, die sie nicht so früh zeigen wollen, um dem Weltmeister keine Chance zum Reagieren zu geben?

Die Sechste – eine epische Partie

Großartige Analyse von Niklas Huschenbeth auf seinem Youtube-Kanal.

In der sechsten Partie war es so weit. MC konnte den ersten Sieg in einer klassischen Weltmeisterschaftspartie seit 2016, nach insgesamt 19 Remisen am Stück erringen. Es war eine Partie für die Geschichtsbücher. Carlson wechselte vom e4-Aufschlag zurück zu d4, wählte aber eine andere, in hochklassigen Partien noch nie dagewesene Variante. Dann gelang es Nepo, Magnus aus der Vorbereitung zu werfen. Der Kampf wogte hin und her und dauerte am Ende über sieben Stunden und 136 Züge – Weltrekord für eine Weltmeisterschaftspartie. Die Partie war die meiste Zeit in der Remisbreite, nach Ansicht der elektronischen Rechenknechte. Aber es war Magnus, der seinen Gegner massierte, durch den Ring trieb, in der Ecke stellte und Fehler provozierte. Hier wurde deutlich, warum Schach auch Sport ist.

In der Zeit schrieb Ullrich Stock einen großartigen Artikel über die Partie.

Ich bin gespannt auf die zweite Hälfte des Wettkampfs. Kann Nepo zurückkommen? Was hat er noch im Arsenal?

Links zum Verfolgen der WM:

https://de.wikipedia.org/wiki/Schachweltmeisterschaft_2021

https://www.zeit.de/thema/schach-wm

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